89/90 Global


"Stalins Stiefel" im Memento-Park in Budapest. Das Mahnmal erinnert an den Ungarnaufstand von 1956 und ist zugleich Symbol für das Ende des Kalten Krieges. Foto: privat
"Stalins Stiefel" im Memento-Park in Budapest. Das Mahnmal erinnert an den Ungarnaufstand von 1956 und ist zugleich Symbol für das Ende des Kalten Krieges. Foto: privat

Beim persönlichen wie öffentlichen Erinnern an 1989/90 gerät aus deutscher Perspektive schnell aus dem Blick, dass der Staatssozialismus nicht nur in Deutschland zu einem Ende kam. Vielmehr beeinflussten sich die verschiedenen Entwicklungsprozesse im Ostblock gegenseitig,  wenn sie nicht gar weiter zurücklagen (Stichwort Solidarność in Polen). Ein Blick auf die literarischen Perspektiven der Umbruchsereignisse in anderen Ländern vermittelt lohnenswerte Eindrücke von Unterschieden aber auch Verflechtungen mit den Ereignissen in der DDR und Deutschland. 

 

Parallel entstand mit dem  Zerfall des blockfreien Jugoslawiens ein Grundstein für neue Kriege und damit erzwungene Migrationsgeschichten, die auch in die „neue“ Bundesrepublik führen. Neben der Entstehung neuer Konfliktlinien und Grenzen ergaben sich mit dem Ende des alten Blockgegensatzes auch neue globale Reise- und Austauschmöglichkeiten, die auch die Protagonist*innen in den Romanen nutzen und beschäftigen und die sie mit verschiedenen Ländern, aber immer auch mit ihrer eigenen Geschichte im 20. Jahrhundert in Verbindung bringen.


Marzena Sowa: Marzi. Eine Kindheit in Polen. Band 2, 1989

Zeichnungen: Sylvain Savoia

Panini: Stuttgart, 2012

 

Besprechung der Graphic Novel bei FM4, Jugendkulturradio des Österreichischen Rundfunks, vom 8.9.2012

Saša Stanišić: Herkunft

Luchterhand: München, 2019

 

Rezension "Die Deutschen überholen" in der Zeit vom 13.3.2019

 

»In Bosnien hat es geschossen am 24. August 1992, in Heidelberg hat es geregnet. Es hätte ebenso gut Osloer Regen sein können. Jedes Zuhause ist ein zufälliges: Dort wirst du geboren, hierhin vertrieben, da drüben vermachst du deine Niere der Wissenschaft. Glück hat, wer den Zufall beeinflussen kann. Wer sein Zuhause nicht verlässt, weil er muss, sondern weil er will.«   

Saša Stanišić: Herkunft, S. 123


Tijan Sila: Tierchen unlimited

Kiepenheuer & Witsch: Köln, 2017

 

Rezension "Diese Erregung, immer diese Erregung" im Spiegel vom 1.3.2017

 

Passt auch in die Kategorien Coming of Age und Provinz.


N. Vermej: Berlin liegt im Osten, B. Weyhe: Madgermanes, A. R. Strubel: Blaue Frau


Ken Follett: Kinder der Freiheit

Bastei Lübbe: Köln, 2014

 

Verlagstext und Rezensionsnotiz bei Perlentaucher

Nadine Schneider: Drei Kilometer

Jung und Jung: Salzburg, 2019

 

Der Verlagstext und Rezensionen bei Perlentaucher

 

Besprechung des Romans im Deutschlandfunk vom 29.8.2019

 

Passt auch in die Kategorien Perspektiven aus & auf Provinz und Coming of Age.

 

»Ohne ein Wort zu sagen, ohne einen Brief zu hinterlassen, war er einfach verschwunden. Trotzdem konnte man ihm nichts vorwerfen. Man konnte niemandem vorwerfen, dass er frei sein wollte. Und so war es mit allen, die fortgingen, sie waren nicht verantwortlich für die Leere, die nach ihrem Verschwinden die Häuser besetzte. Sie konnten nichts für das Gefühl gemachter Betten am Morgen, denn sie waren ja weg und hatten nicht die Absicht, etwas dazulassen.«   

Nadine Schneider: Drei Kilometer, S. 15


Markéta Pilátová: Wir müssen uns irgendwie ähnlich sein

Residenz: Salzburg, 2010

 

Rezension "Fakultät für richtiges Leben" in der FAZ vom 2.7.2010

 

 

Paul Beatty: Slumberland

Blumenbar Verlag: München, 2009 

 

Der Verlagstext und Rezensionen bei Perlentaucher
 

Passt auch in die Kategorie (Post-)Migrantische, BPoC & jüdische Perspektiven.

 

»Wie Joseph Conrads Belgisch-Kongo war Deutschland in der Zeit gleich nach der Wiedervereinigung ein Land, in dem das Lichte dunkel und das Dunkle noch dunkler war.

[...] In einem geheimen Versuch, die Denkprozesse gleichzuschalten, erließ die Regierung eine Rechtschreibreform. Ein Land, das nach denselben Regeln buchstabiert, hält zusammen, und dass gleichzeitig mit dem langsamen Verschwinden des ß auch die Sozialhilfe und ein paar Unglückliche mit der falschen Hautfarbe dran glauben mussten, kann kein Zufall gewesen sein.«   

Paul Beatty: Slumberland, S. 180f.


Susanne Gregor: Das letzte rote Jahr

Frankfurter Verlagsanstalt: Frankfurt am Main, 2019

 

Der Verlagstext und Rezensionen bei Perlentaucher

 

Passt auch in die Kategorie Coming of Age.

»Waren meine Eltern schlafen gegangen, schaltete ich von einem Satellitenkanal zum nächsten, und die Welt erschien mir plötzlich surreal: zwischen den immer wieder gezeigten Bildern der Berliner, die mit Hämmern auf die Mauer einschlugen und weinend darüberkletterten, über die moderne Tupperware in Neonfarben auf dem Werbekanal bis zu den paillettenbesetzte Schwimmanzüge tragenden, androgynen Erasure auf dem Musiksender. Nichts davon hätte man sich noch vor ein paar Monaten denken können, alles hatte den Hauch einer spontanen, wilden Party, bei der man nie wusste, wann es zu laut würde und Licht und Ton plötzlich abgedreht werden würden.«  

 

Susanne Gregor: Das letzte rote Jahr, S. 217


Dana Grigorcea: Die nicht sterben

Penguin: München, 2021

 

Der Verlagstext und Rezensionsnotizen bei Perlentaucher

 

Die Autorin im Gespräch über ihren Roman im Deutschlandfunk Kultur

Vorujan Vosganian: Das Spiel der hundert Blätter

Paul Zsolnay Verlag: Wien, 2016

 

Der Verlagstext und Rezensionsnotizen bei Perlentaucher 

 

Besprechung im Deutschlandfunk vom 30.12.2016

 

 

 

 

Saša Stanišić: Wie der Soldat das Grammofon repariert

Luchterhand: München, 2006

 

Rezension der Deutschen Welle vom 7.10.2018

 

Passt auch in die Kategorie Coming of Age.

Vladimir Zarev: Verfall

Kiepenheuer & Witsch: Köln, 2006 (Originalausgabe 2003)

 

Besprechung im Deutschlandfunk Kultur vom 23.4.2007

 

Passt auch in die Kategorie Wendebrüche.

 

»Die normalen Leute um mich herum aber veränderten sich nicht nur, nein, sie verwandelten sich: in Unbekannte. Einige betranken sich vor Melancholie oder verwahrlosten, andere verschwanden im Kampf ums Überleben, als hätten sie sich in einem Kokon eingesponnen. Wieder andere liebedienerten vor denen, die gerade an der Macht waren, als hätte der Sozialismus nie geendet. Dritte, die der einstmaligen Sicherheit nachtrauerten, wie einem entführten Kind, jammerten und klagten pausenlos. Vierte drehten einfach durch.«  

Vladimir Zarev: Verfall, S. 21f.


Jonathan Franzen: Unschuld

Rowohlt: Reinbeck, 2015

 

Rezension "Der Unrat der Germanen" im Spiegel vom 31.8.2015

 

 

 

 

Nino Haratischwili: Das achte Leben (für Brilka)

Frankfurter Verlagsanstalt: Frankfurt, 2014

 

Der Verlagstext und Rezensionen bei Perlentaucher

 

Passt auch in die Kategorie Familiengeschichten.


"89 goes Pop" ist Teil des BMBF-Verbundprojekt "Das umstrittene Erbe von 1989"

Weitere Informationen unter www.erbe89.de