Die Zwanziger Jahre - Think about Transformation


Die Platte als Erfahrungsraum bleibt ein Horizont mancher (Nach-)Wendekinder. Aufnahme in Leipzig 2020. Foto: privat
Die Platte als Erfahrungsraum bleibt ein Horizont mancher (Nach-)Wendekinder. Aufnahme in Leipzig 2020. Foto: privat

Anfang der 2020er setzen sich die Entwicklungen aus den Jahren zuvor teilweise fort. So sind es weiterhin v.a. die Jüngeren, jene um 1989/90 oder später geborene Musiker*innen, die sich in ihrem Werk mit dem Osten auseinandersetzen – mal explizit, mal indirekt, mal rückblickend, mal mit Blick auf ostdeutsche Gegenwarten. Dabei ist Rechtsradikalismus und die Kontinuitäten nach wie vor ein wichtiges Thema (z.B. Audio88, east german beauties), ein anderes die Auseinandersetzung mit Projektionen über „die Ossis“ und „Ostdeutschland“ (z.B. Pöbel MC). Auch der Rückblick auf die eigene Kindheit und Jugend in der Umbruchs- und Nachwendezeit sowie das Gehen oder Bleiben aus/in der Provinz (Kraftklub) bleiben beliebte Sujets. Die Stimmungslagen bleiben dabei ambivalent, der Tonfall jedoch wird ruhiger (z.B. Martiera, Clueso).


Darüber hinaus zeugt der musikalische Blick auf Ost-Gegenwarten von einem sich weiter differenzierenden Spektrum: Wir finden sanfte Melancholie in Halle-Neustadt (Sorry3000), verstörende Bilder über die Platte (Finch), aber auch eine ironisch-lustvolle Wiederaneignung des ländlichen Raums in Sachsen (Astro Ritter Kollektiv).
Parallel zu diesen Selbstverortungen sehen wir sehr unterschiedliche Auseinandersetzungen mit dem kulturellen Erbe der DDR: Masha Qrella etwa arbeitet mit den Texten des Schriftstellers Thomas Brasch. Charlie Keller hingegen ist die Inszenierung einer ironisierten, zugleich camouflagierten Wiederauflage des DDR-Agitprop aus den 1970er Jahren.

Sorry3000, Foto von Julia Schwender
Sorry3000, Foto von Julia Schwender

Warum Overthinking dich zerstört, Audiolith

 

Stichworte:

Halle-Neustadt, sozialistische Planstadt heute, schrumpfende Städte, vergangene Utopien, Alltagsszenen, Ballade, Pop

 

Siehe auch: „10 Fragen mit … Sorry3000“, Pop-Kultur Berlin, 2021


Du warst immer dabei [EP], Sony

 

Stichworte:

Freundschaft, Jugend, Erinnerung, ostdeutsche Erfahrungsräume, Herkunft & Identität, Plattenbauten, autobiographische Erzählung, Ambivalenzerzählung, Erfurt, Rap

 

Siehe auch "Die Schönheit Cluesos", der Freitag, 2021

 

[Single], Walk This Way Records

Stichworte:

Prekarität & Perspektivlosigkeit, ostdeutsche Lebens- und Erfahrungsräume, Plattenbauten, Alkohol & Drogen, Gewalt, Geschlechterverhältnisse & Familie, Rap

 

Siehe auch: "Worauf 'Onkelz Poster' von Finch Asozial und Tarek K.I.Z. aufmerksam macht", BR, 2020.

 

Finch Asozial 2020, © Ole-Sten Hauffe, CC BY-SA 3.0
Finch Asozial 2020, © Ole-Sten Hauffe, CC BY-SA 3.0

[Single], Tapete Records

 

Stichworte:

Kulturelle Adaption (Inszenierung eines authentischen Tonbandfunds aus der DDR der 70er Jahre), Timo Blunck, (70s-)Pop

 

Siehe auch: Vorstellung von „Charlie Keller“ und der Inszenierungsgeschichte bei Tapete Records

inmitten all der schönheit, self-published


Stichworte:

Projektionen und Klischees von Ostdeutschland, Ostdeutschlanddiskurse, Ironie, Kritik an tiefer liegendem Rechtsradikalismus, Elektropunk

Bildungsbürgerprolls, Audiolith

 

Stichworte:

Herkunft, Kindheit & Jugend, Prägungen, "Post-Ost-Generation", Ost-West-Unterschiede, Stereotype, Eigenverantwortung, Rostock, (Battle-)Rap

 


Masha Qrella, Foto von Diana Näcke
Masha Qrella, Foto von Diana Näcke

Woanders, Staatsakt

 

Stichworte:

Konzeptalbum auf der Grundlage der Gedichte von Thomas Brasch, Vergangenheits- und Gegenwartsverarbeitung, Pop

 

Siehe auch: Besprechung "Woanders", Musikexpress, 2021 und Interview mit Qrella im Deutschlandfunk Kultur, 2019


Todesliste, Normale Musik

Stichworte:

Provinz, Rückblick, Vergangenheit und Gegenwart von rechter Gewalt, rechte Hegemonie, Wegschauen und Verharmlosung, Täter-Opfer-Umkehr, Anklage, Gehen oder Bleiben, Rap

 

Siehe auch: „Gallensteine zählen und werfen“, Zeit Online, 2021 (Paywall)

5. Dimension, Green Berlin

Stichworte:

Mauerfall, Rückblick, das erste Mal in West-Berlin, Faszination von neuen Lebens- und Konsumwelten, Überwältigung, Verschwinden der DDR, Rap

Siehe auch: „Neonwest“, Diffus Mag, 2021

Diagnose partyverrückt, self-published

Stichworte:

Sachsen, Bleiben statt Gehen, (Wieder-)Aneignung des ländlichen Raums, Rap, EDM


[Split-Single], Jochens Kleine Plattenfirma

 

Stichworte:

Ost-West-Dialog & -Kooperation , Generationendialog, Vorurteile und Klischees, Cameos

(Selbst-)Ironie, Rock

 

[Split-Single], Jochens Kleine Plattenfirma

 

Stichworte:

Ost-West-Dialog & -Kooperation, Generationendialog, Vorurteile und Klischees, Cameos,

(Selbst-)Ironie, Rap

Marteria 2017 © Sven Mandel, CC-BY-SA-4.0
Marteria 2017 © Sven Mandel, CC-BY-SA-4.0

Kargo, Vertigo/Capitol

 

Stichworte:

Ostdeutsche Erfahrungsräume, Herkunft & Identität, Zugehörigkeit, Ost-West-Unterschiede, Stadt-Land-Unterschiede, Indie (Rock)

Kargo, Vertigo/Capitol

 

Stichworte:

Zugehörigkeit & veränderliche Identitäten, Gehen oder Bleiben, Heimat(kritik), Engstirnigkeit, Freiheitsutopie

 

 

 

 To be continued....

 



"89 goes Pop" ist Teil des BMBF-Verbundprojekt "Das umstrittene Erbe von 1989"

Weitere Informationen unter www.erbe89.de