worum geht's?


Romane – Filme – Musik – Podcasts. Gerade in den letzten Jahren boomen die Darstellungen zu '89' in der populären Geschichtskultur. Mit dieser Seite wollen wir das Feld konturieren und unsere Ergebnisse einem breiten Publikum zugänglich machen. Ein Anwendungsgebiet ist sicher die Arbeit an Schulen und in der historisch-politischen Bildung. Wollen Sie direkt etwas über Wendelieder wissen oder interessieren sich für Podcasts zum Thema? Dann wünschen wir Ihnen viel Spaß beim Stöbern. Wenn Sie noch etwas zum Kontext des Projekts wissen wollen, dann lesen Sie einfach hier weiter.

 

Dreißig Jahre friedliche Revolution und deutscher Einheit haben es gezeigt: '89' ist ein umstrittener Erinnerungsort. Es konkurrieren unterschiedliche Erinnerungen und Deutungen darum, welches Erinnern nun das 'richtige', das legitime ist. Der Historiker Martin Sabrow hat bereits Anfang der Nullerjahre drei Typen von Erinnerung an 1989 herausgearbeitet: das Revolutionsgedächtnis, das Wendegedächtnis und das Anschlussgedächtnis (Sabrow 2019). Gerade in den letzten Jahren haben sich diese Typen im Erinnern mehrfach überlagert, sich in ihrer Relevanz und Sichtbarkeit verschoben und wurden zum Gegenstand der Aushandlung auch von Identität. 

In Geschichtspolitik und Geschichtskultur dominiert nach wie vor die Revolutionserzählung als Freiheits- und Erfolgsgeschichte. Danach wird '89' vor allem ausgehend von der friedlichen Revolution erzählt, die mit einer gewissen Zwangsläufigkeit in die deutsche Einheit einzumünden scheint. Als zentrale Daten dieser Erzählung gelten der Mauerfall am 9. November 1989 sowie die Vereinigung beider deutscher Staaten am 3. Oktober 1990. In jüngeren und jüngsten Diskussionen wird diese Erzählung zunehmend hinterfragt: War '89' überhaupt eine Revolution, und wie friedlich war sie? Welche Funktion hat (politisch, lebensweltlich, erinnerungskulturell) der Begriff "Wende"? Wie heterogen waren eigentlich die beteiligten Akteursgruppen, was waren ihre Erwartungshorizonte und Zukunftsvorstellungen? Kann die friedliche Revolution als Erfolgsgeschichte erzählt werden, ohne auch die Verheerungen der unmittelbar folgenden Transformationsgeschichte zu erwähnen? Generieren sich in einem Prozess des Umdeutens neue Erinnerungsbedürfnisse und Erinnerungsnotwendigkeiten? Und auf welche gesellschaftlichen Wandlungen verweisen sie? 

 

Auch in der (Populär)Kultur wurden in den letzten dreißig Jahren friedliche Revolution, "Wende" und deutsche Einheit kontinuierlich verhandelt. Die Darstellungen in Literatur, Musik oder Film sind dabei zum einen stets ein Spiegel ihrer Zeit. Zum anderen beeinflussen sie als Erinnerungsmedien wiederum den Diskurs. Denn populäre Darstellungen zu '89' unterhalten nicht nur. Vielmehr eröffnen sie (potentiell) Räume für konkurrierende Erinnerungen und sind Anlass zur Reflexion des eigenen wie des kollektiven Gedächtnisses. In dieser doppelten Funktion können populäre Darstellungen zu '89' selbst historisiert, also in ihrer historischen Veränderlichkeit und Bedingtheit betrachtet werden. 

 

Unter populären Geschichtsrepräsentationen sind mit Barbara Korte und Sylvia Paletschek (2009) Darstellungen zu verstehen, die in textueller, visueller, audiovisueller oder performativer Form Wissen über historische Vergangenheit auf verständliche und attraktive Weise präsentieren und ein breites Publikum erreichen (wollen). Konkret umfasst das Feld Romane und Erzählungen, Comics und Graphic Novels, (Pop)Musik, Spiel- und Fernsehfilme, TV-Serien sowie das weite Feld des Digitalen (Podcasts, Websites, Instagram, Apps etc.). Auch Veranstaltungen wie das Leipziger Lichtfest sind Teil der populären Geschichtskultur. Denn hier werden Formen des Erinnerns an '89' mit Reenactment (das Nachstellen historischer Ereignisse) verknüpft. Auch hier geht es um eine Verbindung aus Erinnern und Unterhaltung, was wiederum selbst Debatten provoziert.

 

Diesem weiten Feld widmen wir uns mit dieser Website. Wir, das sind Historiker*innen und Kulturwissenschaftler*innen aus dem BMBF-Verbundprojekt "Das umstritten Erbe von 1989". Wir arbeiten und forschen an den Universitäten Freiburg/Br. und Leipzig. Mit Wurzeln in Ost und West sind wir (pop)kulturell durchaus unterschiedlich geprägt. Zugleich teilen wir die Faszination für erzählte Geschichte(n) und für die Frage, wie diese kollektiv und individuell Erinnerungen und auch Geschichtsdeutungen prägen und geprägt haben.


"89 goes Pop" ist Teil des BMBF-Verbundprojekt "Das umstrittene Erbe von 1989"

Weitere Informationen unter www.erbe89.de